Köhler SVM-Dähne-Pokalmeister

Christian Köhler vom Godesberger SK hat nach der Pokalmeisterschaft 2016/17 im Schachbezirk Bonn/Rhein-Sieg auch die Pokalmeisterschaft 2017 im Schachverband Mittelrhein gewonnen. Er setzte sich im Viertelfinale gegen Johann Engel (Brühler SK) durch, gewann im Halbfinale gegen Dr. Gernot Klein (Post-Telekom SV Aachen) und in der Finalrunde gegen Klaus Scharff vom SV Opladen. Letzterer hatte Vorjahressieger Dr. Philipp Lambry (Aachener SV) im Halbfinale überwunden.


C.F. Köhler – K. Scharff  (Französisch, KIA)

1. e4 e6 2. d3 d6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. f4 Se7 6. Sf3 f5 7. O-O c5 8. c3 Sbc6 9. Le3 O-O 10. Sbd2 Tb8 11. a4 a5 12. Db3 h6 13. Tad1 Kh7 14. Sc4 d5 15. Sb6 d4 16. Lc1 e5 17. Sxc8 Dxc8 18. Sxe5 Sxe5 19. fxe5 Lxe5 20. exf5 Sxf5 21. Tde1 Dc7 22. Dd5 Tbe8 23. c4 b6 24. Kh1 (mit der Idee, einem eventuellen Se3, Lxe3, dxe3, Txe3, Ld4 vorzubeugen)

24_Kh1.png

24. … Ld6 (Hier ist 24. … Lxg3 eine Möglichkeit, 25. Txe8 Txe8 26. Txf5 gxf5 27. Dxf5+ Kg7 26. Le4 Txe4) 25. Txe8 Txe8 26. Le4 Te5 27. Da8 Dd7 28. Lf4 Te6 29. Lxf5 gxf5 30. Dd5 Tf6 31. Kg2 Kg6 32. Dg8+ (Le5!) Dg7 33. Dxg7+ Kxg7 34. Lxd6 Txd6 35. Txf5 Te6 36. Kf2 Kg6 37. Tf4 Te3 38. Tf3 Te5 39. h3 h5 40. Tf8 Te6 41. Tb8 Kf5 42. Tf8+ Kg6 43. h4 Te3 44. Tb8 Txd3 45. Txb6+ Kf5 46. Tb5 Ke4 47. Txc5 Td2+ 48. Kf1 Txb2 49. Txh5 d3 50. Ke1 Ke3 51. Te5+ Kd4 52. Txa5 Te2+ 53. Kf1 Kc3 54. Td5 Kc2 55. h5 Te6 (Th2!) 56. Kf2 d2 57. g4 d1=D 58. Txd1 Kxd1 59. Kf3 Kd2 60. Kf4 Kd3

61_Kf5.png

61. Kf5 (Das bietet Schwarz wohl noch eine Chance, Remis zu halten: 61. …Th6 62. c5 Kd4 63. Kg5 Tc6 64. h6 Txc5+ 65. Kf6 Tc6+ 66. Kg5 Tc5+ 67. Kf4 Tc7 68. g5 Tf7+ 69. Kg4 Ke5 70. g6 Tf4+ 71. Kg5 =, nicht Kg3, da sonst Tf6 72. g7 Tg6+ 73. Kf3 Kf6. Besser ist daher direktes 61. g5!; vgl. das Bsp. 6.16 in Müller/Lamprecht, Fundamental Chess Endings, S. 168) 61. … Te8 62. g5 Tf8+ 63. Ke5 Te8+ 64. Kf6 Ke4 65. h6 Tc8 66. h7 Tc6+ 67. Kg7 Tc7+ 68. Kh6 Tc6+ 69. g6 Tc7 70. h8=D 1-0.


Köhler und Scharff sind damit beide für eine Teilnahme am NRW-Einzelpokal 2017 qualifiziert. Die beiden Finalisten dieses Wettbewerbs dürfen wiederum an der nächsten Pokalmeisterschaft des Deutschen Schachbundes teilnehmen. Die deutsche Pokaleinzelmeisterschaft und alle auf sie hinführenden Qualifikationsturniere werden aufgrund einer Stiftung des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Schachbundes Emil Dähne seit 1971 auch Dähne-Pokal genannt.

Das Penrose-Rätsel

Die Zeitung „The Telegraph“ hat am 14.3.2017 ein Schachrätsel veröffentlicht, mithilfe dessen der britische Mathematiker und Physiker Sir Roger Penrose den Unterschied zwischen künstlicher Intelligenz und menschlichem Bewusstsein untersuchen will. Die abgebildete Aufgabe ist für Menschen relativ leicht, für Computer dafür umso schwerer zu lösen. Mitgegeben wird den Lesern die Aufgabe, zu beobachten und mitzuteilen, wie und wodurch sie auf die Lösung des Rätsels gekommen sind.

R. PenroseThe Telegraph, 2017

Penrose.png

Weiß am Zug hält Remis

Auch die Daily Mail, der Daily Express und die Nachrichten-Webseite Mashable haben über das Rätsel berichtet. Bei Reddit gab es sofort eine wilde Diskussion. Auf Chessbase wurde das Penrose-Rätsel mit einer alten Studie verglichen, deren Lösung Schachcomputern ebenfalls Probleme bereitet:

W.E. RudolphLa Strategie, 1912

Rudolph 1912.png

Weiß am Zug hält Remis

Ungeachtet der Gemeinsamkeit besteht ein wichtiger Unterschied zwischen der Studie von Rudolph und dem Penrose-Rätsel darin, dass erstere eine eindeutige, mehrzügige Lösung hat (siehe unten)*, während für letzteres offenbar gar kein bestimmter Zug sondern eine generelle Handlungsanweisung als Lösung gefunden werden muss. Das ist einerseits ein Grund dafür, warum die Rudolph-Studie etwas „eleganter“ erscheint als das Penrose-Rätsel. Andererseits scheint das Penrose-Rätsel aufgrunddessen besser dazu geeignet zu sein, das Besondere der menschlichen Bewusstseinsleistung zu beobachten.

Was genau tut man? Der erste spontane Blick bei der Lösung des Rätsels geht auf konkrete Züge (cxb5+, c7), deren Konsequenzen der Mensch wie ein Computer berechnen könnte. Sofort stellt sich heraus, dass diese Züge dem Weißen nicht helfen sondern schaden. Auf diese Erkenntnis folgen intuitiv keine zusätzlichen Berechnungen sondern stattdessen Überlegungen zur Gesamtstellung. Was könnte der Aufgabensteller im Sinn gehabt haben? Diese Betrachtungsweise fördert zu Tage, dass der schwarze König und die schwarzen Schwerfiguren eingeschlossen sind und die schwarzen Läufer die weiße Blockade nicht angreifen können. Das Remis ergibt sich folglich daraus, dass Weiß die Blockade aufrechterhalten und nur seinen König bewegen kann.

Welchen Schluss kann man daraus für die Ausgangsfrage ziehen? Eine Besonderheit menschlicher Bewusstseinsleistung scheint offenbar die Fähigkeit zum spontanen Wechsel der Problemlösungsperspektive (oder allgemeiner gesprochen: der Sinnperspektive) zu sein. Im ersten Moment wird überlegt, ob ein bestimmter Zug im Vergleich zu anderen möglichen Zügen Sinn ergibt; im nächsten Moment, ob die aktuelle Stellung insgesamt im Vergleich zu anderen möglichen Stellungen einen besonderen Sinn haben könnte. Für einen solchen Wechsel der Sinnperspektive kann sich der Computer per definitionem nicht entscheiden, anderenfalls wäre er ein selbstbestimmt handelndes Wesen und keine Maschine. – Die Frage ist allerdings, ob ein derartiges spontanes Wechseln der Perspektive nicht auch simuliert werden könnte? Und möglicherweise geschieht der Perspektivwechsel im menschlichen Bewusstsein auch viel weniger spontan und selbstbestimmt als man zunächst meint?

* Lösung der Rudolph-Studie: 1. La4+ Kxa4 (1. … Kc4 2. Lb3+ Kb5 3. La4+) 2. b3+ Kb5 3. c4+ Kc6 4. d5+ Kd7 5. e6+ Kxd8 6. f5.

Kurzmeldungen 3/2017

Änderung der Bezirksturnierordnung

Die Jahreshauptversammlung des Schachbezirks Bonn/Rhein-Sieg (SBRS) hat am 30.1.2017 einen Beschluss zur Vereinheitlichung und Vereinfachung von § 10.8 der Bezirksturnierordnung gefasst. Diese Bestimmung betrifft den Auf- und Abstieg innerhalb der Mannschaftsmeisterschaft im SBRS.

Nach der bisherigen Fassung von § 10.8 entschied im Falle des Punktegleichstands zum Saisonende als Zweitwertung zuerst der direkte Vergleich:

„Bei Gleichstand in den Mannschaftspunkten entscheidet über Aufstieg und Abstieg das Ergebnis der Kämpfe der punktgleichen Mannschaften untereinander. Führt dies bei einem Teil der Mannschaften immer noch zu Punktgleichheit, so wird der direkte Vergleich unter den verbleibenden Mannschaften nochmals angewendet (auch mehrfach hintereinander). Sind nach dem direkten Vergleich mehr als zwei Mannschaften punktgleich, entscheidet unter diesen Mannschaften zuerst die Brettpunktwertung, danach das Los. Sind nach dem direkten Vergleich noch zwei Mannschaften punktgleich, wird ein Stichkampf durchgeführt. Endet dieser Kampf unentschieden, entscheidet die Berliner Wertung des Stichkampfes, danach das Los.“

Die Beschlussvorlage für den neuen § 10.8 lautete:

„Bei Gleichstand in den Mannschaftspunkten entscheidet über Meisterschaft, Platzierungen, Aufstieg und Abstieg die Anzahl der erreichten Brettpunkte. Dabei zählen die Ergebnisse gegen eine Mannschaft, die einen Mannschaftskampf kampflos verlor, nicht mit. Führt dies immer noch zu Gleichstand, so wird der direkte Vergleich unter den verbleibenden Mannschaften angewendet (auch mehrfach hintereinander). Sind nach den direkten Vergleichen immer noch zwei Mannschaften gleich, wird ein Stichkampf durchgeführt. Endet dieser Kampf unentschieden, entscheidet die Berliner Wertung des Stichkampfes, danach das Los.“

Hauptargumente für die Änderung sind,

  • dass die bisherige Regelung nur den Auf- und Abstieg behandelte, aber nicht die Meisterschaft und die Tabellenplatzierung, sodass zwischen beidem aufgrund des subsidiären Eingreifens der Bundesturnierordnung des Schachbundes NRW theoretisch eine Abweichung hätte entstehen können, und
  • dass die Brettpunktzahl als Hauptkriterium der Zweitwertung leichter nachzuvollziehen ist als der direkte Vergleich und die bisherigen Veröffentlichungen der Tabelle in der Presse und im Internet dementsprechend auch bereits die Brettpunktzahl für die Zweitwertung zugrunde gelegt haben.

Für die bisherige Regelung konnte angeführt werden, dass sie dafür sorgte, dass Mannschaften, die während der Saison kampflos gewonnen und dementsprechend Brettpunkte hinzuerhalten hatten, in der Abschlusstabelle hinsichtlich der Zweitwertung dadurch nicht übervorteilt wurden. Diesem Problem kommt die Neuregelung des § 10.8 jedoch ebenfalls bei, indem sie vorsieht, dass bei der Errechnung der Brettpunkte-Zweitwertung alle Ergebnisse gegen eine Mannschaft, die während der Saison einen Mannschaftskampf kampflos verloren hat, nicht mitzählen.

Die Änderung der Bezirksturnierordnung wurde mit 38 Stimmen bei 32 Gegenstimmen angenommen und gilt damit ab der Saison 2017/2018.

Von Häfen FIDE-Schiedsrichter

Der Weltschachbund FIDE hat Dieter von Häfen (SV Hennef), dem zweiten Vorsitzenden des Schachbezirks Bonn/Rhein-Sieg, am 3.3.2017 den Titel des FIDE-Schiedsrichters (FIDE Arbiter, FA) verliehen. Er ist der erste Träger dieses Titels im Schachbezirk Bonn/Rhein-Sieg und als solcher berechtigt, Wettkämpfe der Bundesliga und sonstige Normenturniere zu leiten. Wir gratulieren ihm sehr herzlich zu dieser Auszeichnung!

Wer sich für die Tätigkeit des Schachschiedsrichters interessiert, findet Informationen zum Regelwerk und zu der Stufenfolge der Schiedsrichterlaufbahn, innerhalb derer der FIDE-Schiedsrichter eine der beiden letzten und höchsten, internationalen Stufen ist, auf den Webseiten der Schiedsrichterkommission des DSB sowie der FIDE Arbiters‘ Commission.

DSAM-Qualifikationsturnier in Brühl

Vom 24. bis 26.2.2017 hat in Brühl bei Köln eines der sechs Qualifikationsturniere zur Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 2016/17 stattgefunden. 361 Teilnehmer/innen gingen in sechs Gruppen (A-F) an den Start. Aus dem Schachbezirk Bonn/Rhein-Sieg konnten sich folgende Spieler für das Finale qualifizieren, das vom 15. bis 17.6.2017 in Niedernhausen bei Wiesbaden stattfinden wird:

  • Dirk Richter (SG Siebengebirge) – 4. Platz in Gruppe B (TWZ 1901-2100)
  • Oliver Bachem (TTC-GW Fritzdorf) – 7. Platz in Gruppe B (TWZ 1901-2100)
  • Timur Suppert (VdSF Bonn) – 2. Platz in Gruppe C (TWZ 1701-1900)
  • Klaus Fehlau (Godesberger SK) – 4. Platz in Gruppe D (TWZ 1501-1700)
  • Elsi Banushi (SK Heimerzheim) – 4. Platz in Gruppe E (TWZ 1301-1500)
  • Herbert Kaes (TTC-GW Fritzdorf) – 6. Platz in Gruppe F (TWZ  bis 1300).

Unser Bezirkspokalmeister Christian Köhler (Godesberger SK) erreichte in Gruppe A (TWZ 2101-2300) Platz 18 mit 2.5/5 Punkten. Peter Neumann (Godesberger SK) wurde für 25 Teilnahmen an Turnieren der DSAM mit dem Silbernen Springer ausgezeichnet.

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Peter Neumann – (Foto: ramada-cup.de)

Kurzmeldungen 2/2017

  • Der Godesberger SK veranstaltet am 1.5.2017 das 45. Godesburg-Schnellturnier und vom 24. bis 30.7.2017 das 21. Godesburg Open.
  • Der SV Hennef richtet vom 18. bis 20.8.2017 ein Elo-Sommer-Open aus.
  • Die Schachabteilung des HTC Bad Neuenahr hat eine Webseite für die vom 7. bis 15.6.2017 stattfindenden ChessClassics 2017 (Schachmeisterschaft für Senioren) eingerichtet.
  • Der Stadtsportbund Bonn veranstaltet am 10.6.2017 wieder einen Tag des Sports auf dem Bonner Münsterplatz und vom 12. bis 18.6.2017 eine Bonner Sportwoche.
  • Der Landessportbund NRW stellt auf seinem Youtube-Kanal das 12-jährige Nachwuchstalent Ruben Köllner (DWZ: 2079, Elo: 2165) von der SG Bochum vor.
  • Hans Lotzien vom Godesberger SK berichtet über seinen Besuch beim Schachturnier in Wijk aan Zee.
  • Der FAZ-Schachblog beleuchtet ein interessantes technisches Detail der Schach-WM Anand-Kramnik 2008 in Bonn.

Schach-WM der Frauen 2017

Vom 10.2. bis 4.3.2017 findet in Teheran/Iran die Schachweltmeisterschaft der Frauen 2017 statt. An dem 6-rundigen K.O.-Turnier nehmen 64 Spielerinnen teil. U.a. gehen die ehemaligen Weltmeisterinnen Mariya Muzychuk (Ukraine), Ushenina (Ukraine), Kosteniuk (Russland), Stefanova (Bulgarien) und Zhu Chen (Qatar) sowie die amtierende Blitz- und Schnellschachweltmeisterin Anna Muzychuk (Ukraine) und die deutsche Nr. 1 Elisabeth Pähtz an den Start. Die amtierende Weltmeisterin und Nr. 1 der Weltrangliste, Hou Yifan aus China ist diesmal nicht beteiligt. Das Turnier wird mit Evgenij Miroshnichenko als Kommentator live übertragen.

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Anna Muzychuk – (Foto: commons.wikimedia.org)

Kurzmeldungen 1/2017

Neue SBRS-Webseite

Willkommen auf der neuen Webseite des Schachbezirks Bonn/Rhein-Sieg! Hier finden Sie ab sofort wieder aktuelle Informationen über Schach in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Wir hoffen, dass die Webseite Ihr Interesse findet!

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St. George-Figuren – (Foto: Klaus Fehlau)